Besucherschutz

Unter dem Begriff Besucherschutz versteht man in der internationalen Motorfahrzeugschadenregulierung den Schutz von Personen, die im Ausland Opfer von Verkehrsunfällen werden. Der Schutzbedarf ergibt sich daraus, dass sich der Geschädigte zur Geltendmachung seiner Ansprüche an einen ausländischen Verursacher bzw. dessen Versicherer halten muss: Zum einen ist in den meisten Fällen ausländisches Recht anwendbar; zum anderen können sprachliche Probleme die direkte Kommunikation erschweren oder gar verunmöglichen.

Zur Überwindung dieser Schwierigkeiten geben die Mechanismen des Besucherschutzes den Geschädigten die Möglichkeit, solche Schadenfälle in ihrem Wohnsitzstaat abwickeln zu lassen. Zwei Grundsätze sind dabei unerlässlich: Einerseits braucht es eine Auskunftsstelle, die gestützt auf die Angaben des Geschädigten die zuständige Regulierungsstelle im Inland ausfindig macht; andererseits muss gewährleistet sein, dass diese inländische Regulierungsstelle die Forderungen des Geschädigten entgegennimmt und innert nützlicher Frist überprüft. Je nach Besucherschutzsystem können zusätzliche Regulierungsmechanismen hinzukommen, darunter insbesondere das System der Entschädigungsstellen, welches den Geschädigten dann einen zusätzlichen Ausfallschutz bietet, wenn die Schadenabwicklung nicht korrekterweise vorangetrieben wird.

Derzeit kommen in Europa die folgenden Besucherschutzsysteme zur Anwendung:

Besucherschutz nach Europäischer Richtlinie:

  • Besucherschutz der europäischen Motorfahrzeug-Haftpflichtrichtlinien (zusammengefasst in der RL 2009/103/EG; im gesamten EWR-Raum geltend

Besucherschutz für Schweizer Geschädigte im Ausland und für ausländische Geschädigte in der Schweiz:

  • Das im Verhältnis Schweiz-EWR geltende System der privatrechtlichen bilateralen Besucherschutzabkommen
     
  • Das Besucherschutzsystem des Council of Bureaux (CoB), mit welchem die grundlegenden Prinzipien des Besucherschutzes durch bilaterale Abkommen auf sämtliche Staaten des Grüne Karte-Systems ausgeweitet werden können

Achtung
Klar abzugrenzen ist der Besucherschutz vom Grüne Karte-System. Das Grüne Karte-System stellt sicher, dass Automobilisten bei Auslandsreisen über eine ausreichende Haftpflichtversicherungsdeckung verfügen. Es gewährleistet, dass Geschädigte, die in einem Staat des Grüne Karte-Systems einen durch ein ausländisches Fahrzeug verursachten Unfall erleiden, ihre Ansprüche beim nationalen Versicherungsbüro dieses Staates bzw. beim sog. Korrespondenten des ausländischen Versicherers geltend machen können. Vereinfacht dargestellt schützt das Grüne Karte-System den Geschädigten in der Schweiz vor ausländischen Fahrzeugen. Demgegenüber schützt das Besucherschutzsystem den Schweizer Geschädigten bei Unfällen im Ausland.